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Der Spaziergang ist neben Futter und Ruhe eines der Grundbedürfnisse deines Hundes. Und dennoch wird er am meisten vernachlässigt: Er wird auf einen kurzen Gang zur Ecke reduziert. Ein guter Spaziergang ermüdet, beschäftigt und gleicht einen Hund weit mehr aus als jedes Spielzeug.
Der Spaziergang ist viel mehr als nur Pinkeln
Für einen Hund ist der Spaziergang sein Fenster zur Welt. Über den Geruchssinn liest er, wer vorbeigekommen ist, wann und in welchem Zustand: Es ist, als würde er Zeitung lesen. Schnüffeln gibt ihm geistige Anregung, entspannt ihn und ermüdet ihn auf gesunde Weise.
Ein Spaziergang, bei dem er mitgezogen wird, ohne ihn irgendetwas riechen zu lassen, ist ein leerer Spaziergang. Der Hund bewegt sich zwar körperlich, verliert aber den ganzen geistigen Teil, der ihn wirklich zufrieden macht.
Wie viel sollte ein Hund Gassi gehen?
Es hängt von Alter, Rasse und Fitness ab, aber als Orientierung für einen gesunden erwachsenen Hund:
- Tägliches Minimum · etwa 1 Stunde, auf mehrere Runden verteilt, mit mindestens ein paar echten Spaziergängen.
- Aktive Rassen oder Arbeitsrassen · brauchen deutlich mehr, 1,5-2 Stunden, sowie zusätzlich geistige Beschäftigung.
- Ruhige oder brachyzephale Rassen · weniger Menge und in gemächlichem Tempo, um Überanstrengung zu vermeiden.
- Häufigkeit · 3-4 Runden am Tag, damit er sich nicht zu viele Stunden zurückhalten muss.
Die Qualität ist genauso wichtig wie die Menge: 30 Minuten, in denen er schnüffeln darf, ermüden mehr als eine Stunde Ziehen an der Leine.
Der Spaziergang mit dem Welpen
Der Welpe hat eigene Regeln:
- Bis die Grundimmunisierung abgeschlossen ist, meide Gebiete mit vielen unbekannten Hunden; er kann auf dem Arm oder in kontrollierte Bereiche mitgenommen werden.
- Seine Knochen und Gelenke sind noch in der Entwicklung: kurze und häufige Spaziergänge, ohne zu überfordern, ohne große Sprünge oder abruptes Treppensteigen, ohne neben dem Fahrrad herzulaufen.
- Der Spaziergang des Welpen dient vor allem der Sozialisierung: die Welt in Ruhe entdecken, Neues mit angenehmen Erfahrungen verknüpfen.
Der Spaziergang mit dem Seniorhund
Der ältere Hund muss weiterhin raus, aber angepasst: kürzere und häufigere Spaziergänge, in seinem Tempo, auf bequemem Untergrund und unter Vermeidung der heißen Stunden oder extremer Kälte. Der Schnüffelspaziergang ist ideal für den Senior, weil er ihn geistig aktiv hält, ohne seinen Körper zu belasten. Wenn du bemerkst, dass er schneller ermüdet, lahmt oder zurückbleibt, sprich mit dem Tierarzt.
Der Schnüffelspaziergang: Qualität vor Quantität
Der sogenannte „Schnüffelspaziergang“ beruht auf einer einfachen Idee: den Hund das Tempo bestimmen und stehen bleiben lassen, um zu riechen, was immer er will, ohne Eile. Du begleitest, statt zu lenken.
- Verwende in sicheren Bereichen eine etwas längere Leine, um ihm Spielraum zu geben.
- Zieh nicht, damit er weitergeht: wenn er riecht, „arbeitet“ er.
- Wähle Routen mit Bewuchs und abwechslungsreichen Ecken, die reicher an Gerüchen sind als glatter Asphalt.
Ein halbstündiger Schnüffelspaziergang lässt viele Hunde zufriedener und ruhiger zurück als eine Stunde zügiges Gehen.
Häufige Fehler
- Beim Spazieren aufs Handy schauen · der Spaziergang ist eine gemeinsame Zeit; auch deine Aufmerksamkeit zählt.
- Nicht riechen lassen · den Hund mitzuziehen nimmt ihm den besten Teil des Spaziergangs.
- Rucke und Zurechtweisungen · sie bringen dem Hund bei, dass die Leine Spannung und Konflikt bedeutet.
- Die Begrüßung mit anderen Hunden erzwingen · nicht alle Hunde wollen sich begrüßen; respektiere seinen Raum und den des anderen.
- Immer dieselbe Strecke · das Variieren der Routen vervielfacht die Reize.
Hitze, Kälte und Asphalt
Das Wetter beeinflusst den Spaziergang:
- Hitze · geh früh am Morgen und in der Abenddämmerung Gassi, niemals in den Mittagsstunden. Prüfe den Asphalt mit der Hand: wenn er dich verbrennt, verbrennt er seine Ballen. Nimm Wasser mit.
- Kälte · die meisten Hunde vertragen sie gut, aber kleine, kurzhaarige Rassen oder Senioren freuen sich über einen Mantel. Nach dem Regen beim Heimkommen gut abtrocknen.
- Hitzschlag · extremes Hecheln, zäher Speichelfluss, Schwäche oder Desorientierung sind ein tierärztlicher Notfall: bring den Hund in den Schatten, kühle ihn mit lauwarmem Wasser und geh zum Tierarzt.
Zusammengefasst: dein Hund muss mehrmals am Tag raus, und mindestens ein paar dieser Runden sollten echte Spaziergänge sein, mit Zeit zum Schnüffeln. Passe die Intensität an sein Alter und seine Rasse an, setze Qualität vor Tempo und berücksichtige das Wetter. Ein gut ausgeführter Hund ist zu Hause ein ruhigerer und gesünderer Hund.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft am Tag muss man einen Hund ausführen?
Reicht ein Garten oder eine Terrasse aus?
Ist eine Flexileine oder ein Geschirr in Ordnung?
Mein Hund zieht stark an der Leine, was tue ich?
Darf ich meinen Hund im Freien ableinen?
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